24. Februar 2022 – Ein Schwarzer Tag

Keine 24 Stunden vorher habe ich noch immer gehofft. Die Hoffnung, meine Hoffnung, die Hoffnung von Millionen, hat Putin zerstört. Gewissheiten gibt es in der Geo-Politik nicht, außer der, dass man auf Diktatoren und Autokraten nicht hoffen sollte. Auf sie kann man keinen Pfifferling geben. Wenn es in ihren Kram passt lügen sie Dich an und machen gleichzeitig aller Welt Hoffnung auf ein gutes Ende. Doch sie geben nichts darauf, es ist ihnen schlicht egal, wie man über sie denkt. Es ist ihnen auch egal, dass nun Menschen sterben, Soldaten beider Seiten, aber auch unbeteiligte unschuldige Menschen auf der Seite der Angegriffenen. Das ist nicht zu rechtfertigen.

Menschen einzusperren, die im eigenen Land dagegen protestieren, zeigt nur worum es auch geht. Der Autokrat hat Angst vor dem freien Wort, dem was die Welt Demokratie nennt. Demokratie und demokratische Meinungs- und Willensbildung, die oft genug furchtbar anstrengend und frustrierend ist, will kein Autokrat für sich und sein Land akzeptieren.

Doch wird er all die Menschen einsperren können, die den Protest wagen? Kann das System Putin all die Protestierenden im eigenen Land in Schach halten? Oder werden es viel zu viele Menschen sein, die sich diesem Krieg im eigenen Land entgegenstellen? Wovon wird das abhängen? Je weniger Menschen den Protest wagen, je einfacher kann Putin sie in Schach halten. Aber wenn es viele werden, wird es schwer für ihn.

Ich denke, man muss von einem Szenario ausgehen, in dem die Widerstandskraft der ukrainischen Menschen ganz entscheidenden Einfluss haben wird: Je länger die Verteidiger der Ukraine durchhalten und den Invasoren signifikant etwas entgegenzusetzen haben, je langsamer also der Vormarsch vorankommt und je später die Invasion zum Ziel führt , je länger die „Spezialoperation“ sich in die Länge zieht, je größer werden die Verluste auf Seiten der russischen Truppen sein, und umso größer wird das Risiko für die noch nicht zu Opfern des Krieges Gewordenen zu einen Kriegsopfer zu mutieren. Und so sehr es einen persönlich schmerzt, das so kalt zu konstatieren: dieser Schmerz trifft nicht Putin und seine Schergen, er trifft Mütter und Väter und Kinder und Anverwandte in Russland. Dieser Schmerz trifft die Russen selbst. Und damit könnte die Widerstandskraft der einen den Widerstandswillen der anderen befeuern. Und damit säße Putin in der Zange. Kein Diktator kann sich über seine eigene Bevölkerung erheben, wenn sie das nicht mit sich machen lässt. Die Frage ist, wo ist der tipping point der Putin von innen heraus hinwegfegt?

Was mich bei diesen Überlegungen fast körperlich schmerzt ist das klare Bewusstsein dafür, dass die Opferzahlen in der Ukraine ebenfalls an die Widerstandskraft gekoppelt sind. Denn wir dürfen uns nichts vormachen; Die Ukraine ist der russischen Truppenstärke und den militärischen Optionen Russlands hoffnungslos unterlegen. Der Preis den die Ukraine zahlen wird, wird hoch sein.

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Wir, die wir im „freien Westen“, also in demokratisch verfassten Ländern leben, müssen uns heute auch eingestehen, wir sind in der Minderheit auf der Welt. Die Welt ist nicht flächendeckend demokratisch verfasst. Und selbst im Inneren der demokratisch verfassten Länder tritt so manche Bruchlinie offen zu Tage, deutlich erkennbar während der Wahlperiode mit Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und auch bei seiner Abwahl, deutlich erkennbar in den Corona-Protesten mit ihren teils hässlichen Unversöhnlichkeiten und auf erschreckend zu Tage tretendem Nicht-Verstehen-Wollen oder -Können bei uns zuhause in Deutschland, deutlich erkennbar an der mittlerweile unsäglichen Salonfähigkeit rechtsextremer Parteien in Europäischen Ländern. Unsäglich weil es in einer Demokratie aushaltbar sein muss, das solche politisch extremen Pole auch in Parlamenten sitzen. Schwierig wird es, wenn auch hier ein Tipping-Point zu erreichen droht hinter dem Demokraten gezwungen sein werden ganz und gar undemokratisch für ihre Demokratie zu kämpfen, schlicht mit dem einen Ziel sie zu erhalten.

Aber das ist einen neuen Blog-Post wert.

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